Dokumentiert von G.Lasch - LKG-Bruenlos

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Dokumentiert von G.Lasch

20 Jahre Evang. Gemeindezentrum Brünlos

Am 1. Mai 1994 feierten Brünloser Christen zusammen mit reichlich regionaler Prominenz aus Politik und Kirche sowie vielen Gästen aus Nah und Fern die Einweihung des Evangelischen Gemeindezentrums im Dorf Brünlos. Dem neu entstehenden, markanten Gebäude an der dicht befahrenen Durchgangsstraße galt schon während der Bauphase eine überörtliche Aufmerksamkeit. Erstaunt nahmen die Leute zur Kenntnis, dass sich ein verhältnismäßig kleiner Ort mit einer nicht überdurchschnittlich großen Schar von Christen an so ein Vorhaben wagte. Wie es dazu kam, wie Bau und Finanzierung gelangen und was alles bis heute im Haus stattfindet, soll in einem kurzen Rückblick beleuchtet werden.

Eine von Auswärtigen oft mit Erstaunen zur Kenntnis genommene Besonderheit besteht darin, dass verschiedene christliche Gemeinden eine Versammlungsstätte gemeinsam nutzen. Das funktioniert im neuen Haus nicht nur seit 20 Jahren, sondern hat auch wesentlich zu vielfältiger und unverkrampfter Zusammenarbeit der beteiligten landes- und freikirchlichen Gemeinden beigetragen. Die Freikirche (Baptisten) und die Landeskirchliche Gemeinschaft (LKG ist ein freies Werk innerhalb der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens) hatten bereits seit 1955 miteinander einen ehemaligen Fabriksaal in der Brünloser Poststr. 3 a  als Versammlungsraum genutzt. Schon in den 1980er Jahren hegten beide Gemeinden  Neubaupläne, die in gemeinsame Gespräche und letztlich eine Fortsetzung des räumlichen Miteinanders mündeten, wobei die LKG als zukünftiger Eigentümer und Bauherr der Freikirche die vertragliche Mitnutzung zusicherte.

Der geplante Baugrund gehörte ursprünglich zum Gut Nr. 1 (heute Brünloser Hauptstr. 18), das über mehrere Generationen die Ortsrichter-Familie Freitag besaß, die an besagter Stelle in ihrem großen Garten bis 1865 eine Lohmühle betrieben hatte. Dieses einstige Gartengrundstück gehörte später der Familie Max Schreiter und sollte noch zur DDR-Zeit von der LKG Brünlos erworben werden. Die unumgängliche behördliche Genehmigung des schon 1986 beantragten Grundstückskaufes zog sich im atheistisch geprägten Staat lange hin und lag erst im Mai des „Wende“-Jahres 1989 vor. Jetzt stand ein günstig gelegenes Baugrundstück zur Verfügung, aber neue Probleme stellten alles in Frage. Zwar lösten sich die lange gehegten Sorgen um Baumaterial und -bilanzen nach der Währungsumstellung schnell auf, doch die Preissteigerungen verhinderten eine halbwegs schlüssige Finanzierung und die Baupläne schienen zu scheitern.

Ende 1991 erfolgte ein neuer Versuch, unter Nutzung von ABM und nach wie vor hoher Eigenleistung das Vorhaben umzusetzen. Aufwändige Planungen, Beratungen, Anträge und Dienstfahrten hielten die Akteure auf Trab. Endlich konnte im Februar 1992 für den Herbst der Entschluss zum Baubeginn gefasst werden. Die folgende Zeit galt es, parallel zu Bau- und Fördermittelanträgen und sonstigem Formularkram möglichst viele öffentliche und private Unterstützer für das Projekt zu begeistern. Die Entwurfsplanung lieferte der Dorfchemnitzer Architekt Wolfgang Gerlach und die fachliche Bauleitung lag in den Händen von Geschäftsführer Reinhard Gerlach.

Im September 1992 ernteten Gemeindeglieder das letzte Mal Äpfel und Beeren und gleich darauf erfolgte das Freimachen des Baufeldes. Eine querende Wasserleitung wurde noch verlegt und der massive Bungalow von Fam. Schreiter als Bauunterkunft und Materiallager ausgebaut. Am 1. Oktober begannen 8 ABM-Leute, darunter 2 gelernte Maurer, tagsüber mit den Bauarbeiten.  Abends und samstags setzten Männer vom Ort die jeweilige Arbeit fort. Bei den Einsätzen am Samstag übernahmen für 1 ½ Jahre die Frauen aus den Gemeinden die Versorgung und griffen bei leichteren Arbeiten selbst mit zu. Am Vorabend des Reformationstages 1992 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung mit geistlichen und weltlichen  Amtsträgern der Region. Danach gingen die Bauarbeiten mit unverminderter Intensität weiter, sodass schon Mitte Dezember die Deckenplatten aufs Untergeschoss kommen; gerade rechtzeitig, bevor am Folgetag der Winter mit viel Schnee Einzug hielt.

Die geplante Winterpause der ABM-Leute nutzten die Männer vom Bauausschuss für weitere detaillierte Planungen, Auftragsvergabe und Konzeption der Innengestaltung. Die technische Leitung verantwortete Friedbert Hanf, die kaufmännische und organisatorische der Schreiber dieser Zeilen. Am 1. April ging der Bau bei günstigem Wetter zügig weiter, wobei dieser Bericht nicht alle Etappen und gleich recht nicht die vielen zu überwindenden Schwierigkeiten aufzählen kann und will. Jedenfalls sahen die Einwohner und Vorbeifahrenden den stetigen Baufortschritt und staunten vor allem samstags über das zahlreiche Gewusel der engagierten Helfer. Fast immer dabei waren drei junge Männer, die notfalls auch Nachtschichten einlegten und hier genannt werden sollen: Andreas Lieberwirth, Matthias Auerswald und Andreas Lasch. Weiterhin ist Günther Ahner, ein Zimmermann i.R. aus Stollberg, zu nennen, der den Aufbau des wegen etlicher Gauben und Giebel recht komplizierten Dachstuhls leitete und monatelang unentgeltlich mitarbeitete. Dach, Heizung u.a. spezielle Dinge übernahmen Fachfirmen. Innenputz, Fliesen, Elektrik, Fußböden, Holzverkleidung und vieles mehr erfolgten in Eigenleistung. Praktisch bis zur letzten Minute musste nach Hand angelegt werden. Erst einen Tag vor Eröffnung wurde der Parkplatz fertig.

Freude und Stolz aller Beteiligten, vor allem aber Dankbarkeit Gott gegenüber prägten die Einweihungsfeier, zu der viele Gäste kamen, darunter auch Glaubensgeschwister aus nah und fern, die sehen wollten, wofür sie gebetet und gespendet hatten. Erst nach und nach begriffen die meisten der Brünloser, was für ein Wunder vor ihren Augen geschehen war. Ein nicht unkomplizierter Bau wurde – zwar unter der Obhut einer Baufirma samt Architekten – im wesentlichen aber von Laien selbständig umgesetzt, alles ohne größeren Unfall. Die anfangs unlösbare Finanzierung konnte gesichert und der Kredit des Arbeitsamtes in überschaubarer Zeit zurückgezahlt werden. Dem kaufmännisch Verantwortlichen stand mit Annerose Hanf eine exzellente Buchhalterin zur Seite, die ohne entsprechende Ausbildung die Kassenführung zuverlässig bewältigte. Das Vorhaben umfasste ein Volumen von ca. 1,2 Mio DM, wobei etwa zwei Drittel in Eigenleistung bewältigt wurden. Vier der ABM-Mitarbeiter erhielten bei der Gerlach-Bau GmbH einen festen Arbeitsvertrag.

Das Evang. Gemeindezentrum ist inzwischen eine feste Größe im Brünloser Ortsbild, mehr noch ist es regelmäßige Versammlungsstätte zweier Gemeinden und Treffpunkt vieler Gruppen, von denen einige gemeindeübergreifend agieren. Das neue Haus bildet unter den konfessionellen Gebäuden eine Ergänzung zu Dorfkirche und Pfarrhaus in der Ortsmitte. Hier haben Posaunen- und Gesangschor gute Probenräume, kann parallel zu Gottesdiensten eine Kinderbetreuung durchgeführt werden. Das Haus steht darüber hinaus für örtliche Veranstaltungen allen Einwohnern und Gästen offen, wie beispielsweise zur historischen Ausstellung zum Dorfjubiläum 2011. Die Kinderarbeit „Schatzkiste“ und der offene Jugendtreff „teaparty“ haben sich seit 1994 ebenso etabliert wie der „Seniorenkreis Brünlos“. Viele bekannte Persönlichkeiten,  beispielsweise der heutige Innenminister Thomas de Maizere, waren in Brünlos zu Gast. Wichtiger sind die vielen weniger prominenten Gäste wie z.B. Jungen und Mädchen, die sich bei Kinderfreizeiten eine Ferienwoche lang in Brünlos erholen. Ein Höhepunkt ist jedes Jahr am Ostersonntag zu erleben, wenn nach dem Festgottesdienst in der Kirche Groß und Klein zum Osterfrühstück ins Gemeindezentrum geht.

So konnten die Brünloser Christen am 10. Mai 2014 eine dankbare Rückschau auf 20 Jahre Evang. Gemeindezentrum feiern. Dabei führten kürzere Videofilme vom ehemaligen Versammlungssaal, der Grundsteinlegung, der Bauphase sowie der Einweihung zu manch interessanten Einblicken und Erinnerungen. Ortsvorsteher Dieter Krebs bedankte sich bei allen Beteiligten herzlich und überbrachte die Grüße des Ortschaftsrates. Grußworte sprachen ebenfalls Pfarrerin Steffi Stark und Gemeindeleiter Joachim Fritzsch. Allerseits kam die Hoffnung zum Ausdruck, dass kommende Generationen dieses Haus erhalten und unter Gottes Segen weiterhin viele Arbeitszweige wirken können. Die „äußeren“ Voraussetzungen sind denkbar günstig, denn das Gemeindezentrum liegt zwischen dem 2011 entstandenen „Biblischen Erlebnisgarten“ und dem neugestalteten Umfeld des Gemeindeteiches mit seinem „Mehrgenerationenplatz“. So erweist sich heute die vor über 20 Jahren vom Vorstand der LKG getroffene Entscheidung,  einen zum Baugrundstück hinzugekauften Wegabschnitt für die Öffentlichkeit zu belassen, als klug und weitsichtig.

 
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